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Tübingen

Stiftskirche
08. Juni 2019
20:00 Uhr

Ein Bogen wird gespannt über neun Jahrhunderte. Er wird eröffnet von der einzigartigen, visionären Hildegard von Bingen, mit einem ihrer einstimmigen Gesänge, die eine mystische Stimmung von grosser Leuchtkraft schaffen.

Ein Zeugnis derselben Zeit ist auch Congaudeant catholici, ein Stück aus einer anonymen Sammelhandschrift, einer Art Pilgerführer zum Heiligtum des Hl. Jakobus.

Dazwischen steht das zeitgenössische, vielstimmige Kyrie (The Spheres) von Ola Gjeilo, das in schwebenden Harmonien nach mystischer Verklärung strebt.

When David heard des Zeitgenossen Eric Whitacre greift auf die alttestamentliche Geschichte von König David und seinem Sohn Absalom zurück. In archaisch anmutender, auch an Arvo Pärt gemahnender Tonsprache klagt David über den gewaltsamen Tod des abtrünnigen, aber sehr geliebten Sohnes; der unerträgliche Schmerz bricht aus ihm in wildem Aufschrei und versinkt wieder in sprachloser Erstarrung.

Samuel Barber, der sich im 20. Jahrhundert nicht den modernen Strömungen in der Musik anschloss und an traditionellen musikalischen Ausdrucksmitteln festhielt, hat mit seinem Adagio für Streicher ein Werk von grosser melodischer und harmonischer Schönheit und Eindringlichkeit geschaffen, das er selbst als Agnus Dei für Chor eingerichtet hat.

Bogoroditse Devo ist eine Anrufung Marias, die aus dem Lukas-Evangelium stammt und über die Jahrhunderte vielhundertfach vertont worden ist. Schnittke, ein stark von der russisch-orthodoxen Kirchenmusik geprägter Komponist, lässt hier Alt und Modern aufeinanderprallen, indem er zwei Chöre in traditionellem Tonfall zeitlich versetzt, und zwar in den Paralleltonarten. Der zweite der drei geistlichen Gesänge, Gospodi pomiluj, ist die raumfüllende und doch innige Bitte an den Herrn: Erbarme dich meiner.

Zum Schluss erklingt das jüngste Werk des Programms. Es entstand 2011 und ist eine jubelnde Meditation von Eric Whitacre über das eine Wort Alleluja: Preiset den Herrn!